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Wer oder was ist Begas?
Deutsches Historisches Museum - BEGAS Skulpturen im Foyer (Foto: Fritze)

Wer oder was ist Begas?

von Fritze

Reinhold Begas? Ich weiß, dass der Berliner Neptunbrunnen auch Begas-Brunnen genannt wird. Begas gilt als einer der großen Künstler im Reich des Deutschen Kaisers.
Auf meinen Fotostreifzügen durch das Nikolaiviertel schauen mich immer wieder zwei Frauengestalten aus Marmor an. Hübsches Gesicht, attraktiver Busen, wohlproportionierter Körperbau, in sonderbarer Verkleidung. Nur die monumentale Größe hindert mich daran, von erotischer Ausstrahlung zu schwärmen. Irgendwann klettere ich auch durch das Blumenbeet und schaue genauer hin und finde eine Signatur: R. Begas, 1887. Über die Herkunft der Sitzstatuen mache ich mir keine Gedanken. Wie so einige Versatzstücke, Fassadenreliefs, Skulpturen und Denkmäler wirken auch diese Damen vor dem Restaurant am Spreeufer wie aus einer anderen Zeit hier hingestellt und nicht abgeholt.
Erst im Dezember 2009 beobachte ich ein sonderbares Interesse starker Männer für diese überlebensgroßen Skulpturen. Ein Lkw fährt vor, Holzbohlen werden ausgebreitet, ein Gabelstapler fährt Kisten mit Decken und Spanngurten an den Ort des Geschehens. Was geschieht hier?
Frau Dr. Sünderhauf gibt bereitwillig Auskunft: „Wir bringen die Skulpturen in Sicherheit!“ Sie erklärt mir die Rettungsaktion; ja, man müsse die Figuren retten. Vor wem, will ich wissen. Vor dem zunehmenden Vandalismus generell, nun aber aktuell vor den Farbsprayern, die diese Marmorstatuen offenbar entdeckt hätten. Da erkenne ich plötzlich, wie das marmorweiße Gesicht der einen Figur (später höre ich den Namen – die personifizierte „Kraft“) mit braunem Dosenlack besprüht wurde. Während der Verladeaktion erfahre ich mehr über die Herkunft, über die Odyssee in den Kriegs- und Nachkriegsjahren und wie die Figuren zur 750-Jahrfeier Berlins ins Nikolaiviertel verschoben wurden.
Ich fotografiere die professionelle Demontage vom provisorischen Sockel, die behutsame Fahrt mit dem Gabelstapler, schließlich das Sichern auf der Ladefläche des Lkw. „Männerballet“ bezeichnet der Präsident der Stiftung DHM, Hans Ottomeyer, auf seiner Pressekonferenz voller Respekt die Sensibilität der Transportarbeiter.

Heute befinden sich die tonnenschweren Statuen wieder dort, wo Begas sie ursprünglich aufgestellt sah – im ehemaligen Zeughaus Unter den Linden. Von den Schichten der Geschichte gereinigt, restauriert und gut ins Licht gerückt, laden die Allegorien für „Kraft“ und „Beständigkeit“ in die Ausstellung „BEGAS - Monumente für das Kaiserreich“ ein. Aktueller Anlass für die Wiederentdeckung eines vergessenen Bildhauers ist der 100. Todestag des Künstlers. Berlinern empfehle ich den Besuch der Ausstellung, vor allem aber den Erweb des Katalogs (34 €). Neben den noch vorhandenen Denkmälern in der Stadt (F. Schiller, O.v. Bismarck, A.v. Humboldt) kann der Besucher endlich einmal Anfang und Ende des viel gescholtenen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. in Modellen und Bildern nachvollziehen.

Doch die Kuratorin Sünderhauf zeigt uns nicht nur den Hofkünstler Reinhold Begas, der sich am Ende von der Macht des Herrschers korrumpiert fühlte, sondern auch den freien Künstler.
Der alte Begas fand schließlich zu seinen frühen Lieblingsmotiven zurück, zu seinem künstlerischen Anliegen und den menschlichen Körpern, zu den aufregenden sinnlichen Skulpturen, zu der realistischen Oberflächengestaltung von weiblicher Zartheit und männlicher Körperkraft. Wer die Geschichte von Pygmalion kennt, bekommt hier eine Ahnung von Künstlerträumen. Und wer die Sinnenfreude eine Begas im Berliner Alltag erfahren, sehen, spüren möchte, der stelle sich nur mal im Sommer an den Neptunbrunnen und beobachte die Besucher im offenen oder verschämten Umgang mit den vier Fluss-Nymphen auf dem Beckenrand.

Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) bis zum 6. März 2011

Fotos

Kommentare

Gast (nicht überprüft) - 10.12.2010 - 10:44
gibt es die ausstellung noch?
Fritze
Fritze - 10.12.2010 - 22:13
Ja, im DHM bis zum 6. März 2011. Empfehlenswert!

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