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Learning by Burning
Tom Bresemann, Fabienne Fontaine und Moritz Malsch vor der Lettrétage. Bild: Berliner.de

Learning by Burning

von Guest

Die Lettrétage hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Berliner Literaturleben gemausert. Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 veranstalten Moritz Malsch und Tom Bresemann im Untergeschoss der Kreuzberger Villa Lesungen und Literaturveranstaltungen auf hohem Niveau – ohne dabei die Lust auf Experimente zu verlieren. Ein Gespräch.

 
Ihr nennt Euch ein junges Literaturhaus. Was meint Ihr damit?
 
Tom: Jung hat für uns nichts mit dem Altersbeschränkungen zu tun. In der Lettrétage haben auch schon Autoren gelesen, die weit über 80 waren. Wir verstehen darunter eher ein Bündel von Charaktereigenschaften: Leidenschaftlich. Interessiert. Durchlässig. Es ist uns wichtig, Situationen auf Augenhöhe herzustellen – offen zu bleiben. 
Jung bedeutet aber auch, bis zu einem gewissen Grad gefährdet zu sein. Bei manchen Veranstaltungen, die wir hier machen, wissen wir vorher nicht, wie sie ausgehen werden. Man macht Dinge falsch. Manchmal macht genau das den Reiz aus. Learning by Burning, gewissermaßen. 
 
Moritz: Bei allem, was wir tun, gibt es einen Unsicherheitsfaktor. Was nicht heißen soll, dass wir unbedarft an die Arbeit herangehen. Aber wir sind bereit, Gewissheiten in Frage zu stellen, und versuchen durchaus bewusst, dem Literaturbetrieb ein Moment von Unsicherheit einzuträufeln.  Wir haben hier allein schon aufgrund der räumlichen Gegebenheiten, dieser irgendwie gediegenen und zugleich baufälligen Situation ganz besondere Möglichkeiten. Es ist eben nicht das Szenecafé in Kreuzberg 36, aber ist es auch kein großes Literaturhaus. Wir sitzen irgendwo dazwischen, und dieses Dazwischensein begreifen wir als unsere Chance.
 
Tom: Inhaltlich verstehen wir uns vor allem als Vermittler. Wir haben ja nicht einmal eine Bühne – du kannst quasi direkt mit dem Autor oder Verleger reden, der vorn sitzt. Wir führen Dinge zusammen: Diesen tollen, vornehmen Literatursalon mit einem ganz jungen, noch unbekannten Autoren, zum Beispiel. Dadurch entstehen Ausnahmesituationen. Aber die haben nichts mit Alter zu tun, sondern mit unserer Herangehensweise. 
 
Erzählt etwas darüber, wie ihr entstanden seid. 
 
Moritz: Ich bin auf den Raum gestoßen, weil ich ein Büro gesucht habe für eine freiberufliche Tätigkeit. Ich hab einfach geklingelt, weil draußen ein Schild war, „Büroräume zu vermieten“. Wir haben uns die Räume angesehen, und uns war eigentlich sofort klar: Hier muss man Literatur machen. Der Salon hat die perfekte Größe. Man ist einerseits nah dran an dem, der liest. Und man muss andererseits nicht 300 Plätze füllen. So dass man auch abseitige Sachen machen kann.
 
Wie würdet ihr Eure Arbeit beschreiben?
 
Tom: Wir haben eigentlich nur eine Person, die eine richtig fest definierte Rolle einnimmt, Fabienne Fontaine, die hier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht. Ich selbst hab mich immer eher um die jüngeren deutschsprachigen AutorInnen gekümmert, Katharina Deloglu war und ist für lateinamerikanische Literatur verantwortlich und bringt zunehmend spanischsprachige Literatur im Allgemeinen mit ein. Moritz ist derjenige, der alles zusammenhält.
 
Moritz: Jeder hat hier seinen Interessenschwerpunkt. Katharina macht gerade eine Reihe "Luces in the sky[pe]", bei der spanische Autoren, die in Spanien schon etabliert, aber Deutschland komplett unbekannt sind, übersetzt und dann bei einer Lesung von einem Schauspieler vorgetragen werden. Im Anschluss gibt es dann ein Gespräch via Skype mit dem Autor. "Luces in the sky[pe]" fasst unsere Arbeit wirklich recht gut zusammen. Einerseits gibt es einen vermittelnden Anteil – wir bringen diese Texte ja wirklich erstmalig ins Deutsche. Andererseits gibt es einen experimentellen Teil, der über das Skype-Gespräch hereinkommt – das übrigens, rein technisch, auch schief gehen kann.
 
Ihr habt Eure Arbeit in letzter Zeit über den reinen Betrieb des Hauses ausgeweitet und einen Verlag gegründet.
 
Moritz:  Richtig. Bisher sind dort zwei Bücher erschienen, das letzte zur Frankfurter Buchmesse, "Neues vom Fluss, Junge Literatur aus Argentinien, Uruguay und Paraguay". Das enthält Texte, die zu großen Teilen noch nicht einmal in der Originalsprache erschienen sind. Damit liegt es inhaltlich sehr nah bei dem, was wir hier auch mit dem Salon zu tun versuchen: Normalerweise erfährt man von einem lateinamerikanischen Autor ja frühestens, wenn er den Premio Cervantes gewonnen hat und spätestens, wenn der Nobelpreis da ist. Aber wenn das soweit ist, hat sich in Lateinamerika die Literatur schon seit 20 Jahren verändert. Mit dem Verlag haben wir die Chance, etwas zu präsentieren, das wirklich nah dran ist. Das macht Spaß. Und ich denke, das spüren die Leute. 
 
Im Verlag Lettrétage sind bislang erschienen:
 
Moritz Malsch arbeitet als freier Übersetzer in Berlin. 
 
Tom Bresemann ist freier Autor. Sein Lyrikband Makellos erschien 2008 im Verlagshaus J. Frank.
 
Methfesselstraße 23-25
10965 Berlin 
 

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Kommentare

Gast (nicht überprüft) - 10.11.2010 - 11:12
zwischen chapeau und chappi, sozusagen ...
Gast (nicht überprüft) - 04.11.2010 - 11:32
sieht echt nach literarischenm Entdeckergeist aus, beeindruckendes Programm...- Hut ab!
Gast (nicht überprüft) - 02.11.2010 - 19:58
netter laden, symphatisches team, gute lesung, zumindest als ich da war ...

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