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Kommerz statt Kultur?!
Foto: extranoise, Quelle Lizenz: Creative Commons (cc)

Kommerz statt Kultur?!

von Elke

Die bereits von der Megaspreedemo kritisierte Gentrifizierungswelle Berlins greift weiter um sich. Immer mehr Kulturorte müssen schließen, doch wofür? Meist sollen die verwalteten Gebäude und Flächen verkauft, abgerissen und neu bebaut werden, nur selten bleibt die alte Bausubstanz erhalten. Selbst wenn das Gebäude nicht der Abrissbirne zum Opfer fällt, so ereilt doch alle das gleiche Schicksal und die einstigen kulturellen Enklaven müssen weichen, um Platz für weitere Hotels, Townhouses und Bürokomplexe zu machen. Doch was für ein Berlinbild soll dabei eigentlich entstehen? Lieber einheitlich hochglanzpoliert und gewienert, als alternativ und individuell? Lieber ein sauberes, gestyltes Berlin, als rau, dreckig und wild? Lieber reich und langweilig, als arm und sexy?

Ein Hoch auf den Dreck

Berlin erfreut sich zunehmender Beliebtheit, trotz oder gerade weil es hier immer noch Orte gibt, an denen das Image der Nachwendezeit klebt. Freiheit, Sehnsucht, Individualität, illegale Partys, Dreck, alternative Kunst,… Vorbei sind die goldenen Zeiten, in denen leere Keller potenzielle Clubs waren und jede freistehende Wohnung zur Kunstgalerie wurde, als alles möglich war oder zumindest schien, und sich internationale Künstler aufgrund dieser Unkonventionalität und des billigen Raumes in Berlin niederließen. Menschen ziehen hierher und wieder weg. Clubs, Galerien und Cafés öffnen und schließen, … eine Stadt ist keine statische Einheit, sondern befindet sich stetig im Wandel, soviel ist sicher.
Problematisch wird das nur, wenn einstige Größen der Kulturszene nach und nach verdrängt werden und die Kulturlandschaft langsam verödet. Das, für das Berlin einmal stand, entfleucht und soll nie wieder zurückkehren?
Zuviel Schwarzmalerei könnte man mir vorwerfen, doch geht es doch gerade um die subkulturellen Nischen für die Berlin international bekannt wurde und ist. Die auch in den Augen der Touristen den ganz besonderen Charme Berlins ausmachen.

Lieber spät als nie

Glücklicherweise gibt es noch immer so originelle und originale Orte wie Tacheles, C/O Berlin im Postfuhramt, Acud und Schokoladen. Aber damit ist es nun vorbei. Allen Orten steht in näherer Zukunft die Insolvenz, die Räumung oder ein Umzug bevor. Doch gerade jetzt entdeckt auch die Politik den Stellen- und Marktwert dieser Institutionen. Vorbei die Zeiten in denen Investoren zuvorkommend behandelt wurden, es ausschließlich um Einnahmen ging und hin zum Abwägen persönlicher, also hoffentlich Berliner Interessen? Wünschenswert wäre es ja. Immerhin sind die, die da vertrieben werden sollen, die, die einst den legendären Ruf Berlins begründeten. Und wenn das einzige Argument für die Politik der nicht zu ermessende Imageschaden wäre, soll mir das recht sein. Denn wenn weiterhin nichts unternommen wird gegen den Kahlschalg der Off-Szene, was bleibt dann übrig von dem vielgerühmten: arm, aber sexy? Arm und öde?

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