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Käufersuche für junge Kunst
Lisa Scherf; Bild: Spot-Galerie

Käufersuche für junge Kunst

von Guest

Lisa Scherf packt Dinge an. Mit Ihrer SPOT-Galerie, einer Galerie mit wechselnden Showrooms, startet die Fünfundzwanzigjährige diesen Freitag ein ehrgeiziges Kunstprojekt. Statt grindiger Hinterzimmern setzt Scherf auf Qualität. Und will durchaus auch Verkaufen. Ein Gespräch.

Berliner.de: Berlin ist ja nun nicht arm an Galerien. Zuweilen habe ich das Gefühl, das alle zwei Tage irgendwo irgendein Kunstprojekt eröffnet. Was hat sie bewogen, sich in dieses vielumkämpfte Gebiet zu begeben?
 
Lisa Scherf: Ich hatte schon während meinem Kunstgeschichtsstudium die Absicht im Kunstmarkt zu arbeiten. Natürlich gibt es gerade in Berlin viele, vor allem auch junge, Galerieprojekte. Diese Tatsache sehe ich jedoch als Chance – und die anderen Kunstprojekte nicht als Konkurrenz. Ich denke, wenn man, neben Leidenschaft, mit genug Ehrgeiz, Professionalität und auch genügend Zeit an so ein Projekt herantritt, ist man schon auf einem guten Weg. Sicher ist Berlin nicht gerade die verkaufsstärkste Stadt, viele schauen nur schauen und wollen nicht kaufen wollen. Trotzdem kann man sich neue Ideen einfallen lassen, um für junge Kunst auch hier in Berlin die passenden Käufer zu finden. 
 
Berliner.de: Worum geht es denn vor allem bei einer guten Galerie? Darum, dass Künstler mit möglichen Käufern zusammengebracht werden? 
 
Lisa Scherf: Nein, der Galerie geht vor allem um die Förderung junger talentierter Künstler. Es soll eine dauerhafte Zusammenarbeit entstehen, so dass die Galerie an der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Künstler und ihrer künstlerischen Position beteiligt ist. Bloß geht dies nicht ohne finanzielle Mittel. Es ist ja auch im Sinne der Künstler, durch Verkäufe Ihre eigene Position zu stärken. Ich denke, dass es eine, auf lange Sicht geplante, Förderung ohne Verkäufe nicht geben kann. 
 
Berliner.de: In Ihrer Pressemitteilung schreiben Sie, sie wollen mit dem Konzept eines wechselnden Showrooms „dem Verfall der Berliner Kunstszene“ entgegen wirken. In welcher Weise verfällt aus Ihrer Sicht die Berliner Kunstszene?
 
Lisa Scherf: In Berlin gibt es zwei Extreme. Die Big Player, von denen nach und nach jedoch die meisten Ihre (Zweit-)Dependancen in Berlin wegen mangelnder Käuferschaft schließen (bspw. Haunch of Venison).  Und die Newcomer, die überall in der Stadt auftauchen. Hier fällt mir jedoch auf, dass viele dies nur in Teilzeit bzw. nicht professionell genug machen um in der Kunstwelt, wenigstens auf eine absehbare Zeit, zu bestehen. Es wäre für die Stadt gut, wenn es mehr Käufer und Sammler hierher ziehen würde und diese sich auch für die ganz neuen Galerien mit Ihren neuen Positionen interessieren würden. Deshalb finde ich es wichtig, dass man mit neuen Ideen neue Käufer und Kunstinteressierte anzieht. Daher auch die Idee mit dem wechselnden Showroom, der es den Menschen ermöglicht, Kunst immer in verschiedenen Locations zu erleben und immer wieder neu zu erfahren.
 
Berliner.de: Aber sind es nicht gerade diese halb-professionellen, tendenziell unkommerziellen Galerieprojekte, die das spezifische Flair der Berliner Kunstszene ausmachen? 
 
Lisa Scherf: Natürlich ist es gut, dass es diese vielen Projekte gibt. Es ist nur schade, dass diese meist nicht von langer Dauer sind, um sich und den unterstützten Künstlern genug Raum zum Entfalten zu geben. Eine harmonische Mischung von unkommerziellen und kommerziellen Galerien für eine Stadt ist eine gute Basis. Es wäre nur wünschenswert, wenn die halb-professionellen Galerien nicht so schnell wieder verschwinden würden.
 
Berliner.de: Was reizt Sie am Konzept eines wechselnden Showrooms?
 
Lisa Scherf: Ich finde es gerade in Berlin sehr schwierig, sich an einen Bezirk bzw. Ort zu binden. Die Stadt ist ja immer in Bewegung. Ich denke, dass die Idee mit dem wechselnden Showroom ideal auf die urbanen Zustände zugeschnitten ist. Man muss sich nicht für einen Standort entscheiden, sondern kann die verschiedensten Orte in Berlin für sich nutzen. Dabei kann man von Ausstellung zu Ausstellung immer neu auf die Bedürfnisse der auszustellenden Künstler eingehen: kommt es den Arbeiten zugute, wenn man sie in einem kleinen, ganz privaten Ort zeigt oder erfordern sie beispielsweise die Dimensionen einer alten Fabrik. All dem versuche ich zu entsprechen und dafür passende Orte zu finden.
 
Berliner.de: Ihre erste Ausstellung findet in einem ehemaligen Stasi-Gebäude statt. Was interessiert sie an diesem Ort?
 
Lisa Scherf: Die Besucher erleben einen Ort, an dem man sich heute frei bewegen kann, also genau das Gegenteil von dem, was die Stasi früher beabsichtigte. Die Türen sind schwer und groß, die langen Gänge eher dunkel, dagegen ist der Ausstellungsraum jedoch unerwartet groß und hell. Ich finde es spannend, an einem Ort, der jeden Besucher eher mit beklemmenden Gedanken füllt, mein neuartiges Galeriekonzept zu starten, welches sich ja zur Aufgabe gemacht hat, sich nicht durch einen bestimmten Ort einengen zu lassen.
 
Berliner.de: Es ist ja auffällig, dass Kunst sich häufig Räume sucht, die in Diktaturen errichtet wurden. Die Boros Collection des Sammlers Christian Boros etwa ist in einem riesigen Bunker in Mitte untergebracht. Liegt das aus Ihrer Sicht einfach an den Räumlichkeiten? Oder spielt da für Sie auch so etwas wie eine späte Rache der Kunst an der Diktatur eine Rolle?
 
Lisa Scherf: Natürlich haben diese Räumlichkeiten eine gewisse Aura, der sich weder Künstler noch Besucher entziehen können. Und durch die sich heute bietenden Möglichkeiten, diese historisch aufgeladenen Räume in ihrer Funktion total umzupolen, diese gerade als Wirkungsstätte für junge Kunst zu nutzen, ist es durchaus verständlich, von einer „Rache der Kunst an der Diktatur“ zu sprechen. Es ist spannend, diese meist negativ konnotierten Räume mit neuen, frischen Ideen und Gedanken aufzuladen und den Besuchern einen neuen Zugang zu diesen zu ermöglichen.

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