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Berlins größte Geisterstadt
Foto: ø, Creative Commons

Berlins größte Geisterstadt

Es wird sich wohl kaum ein Berliner finden, der keine Kindheitserinnerungen an ihn hat: Der Plänterwald (oder für die MTV-Generation: Spreepark). Wer sich mit der S-Bahn auf den Weg dorthin begibt, kann von weitem schon das Riesenrad über den Baumwipfeln ausmachen. Zugegeben, das einstmals kräftige Rot ist zunehmens verblasst, aber als echter Berliner weiß man es trotzdem einzuordnen: Es gehört zum ehemals größten Freizeitpark in Berlin und Umgebung.

Vor gut 40 Jahren öffnete der "Kulturpark Plänterwald" in der ehemaligen DDR erstmals seine Tore und war der einzige stetige Freizeitpark des Ostens. Jährlich kamen bis zu 1,7 Mio. Besucher nach Berlin, um ihre freien Stunden und Tage hier zu verbringen. Nach der Wende und dem damit einhergehenden Betreiberwechsel wurden schrittweise einige Veränderungen vorgenommen, um mit der "Wessi-Konkurrenz" mithalten zu können. So wurde die vorwiegend asphaltierte Fläche abgerissen und eine parkähnliche Atmosphäre geschaffen, inklusive Seelandschaft mit Schwänen und vielen Grünflächen. Es kamen neue Fahrgeschäfte hinzu, wie die Looping-Achterbahn, zwei Wildwasserbahnen und ein Westerndorf. Man änderte auch das Preiskonzept: Statt die Fahrgeschäfte einzeln zu berechnen, führte man einen Pauschalpreis von knapp 30DM ein. Unter anderem ist diese Änderung wohl auch für den starken Besuchereinbruch verantwortlich, der seit 1997 zu verzeichnen ist, vielleicht waren es aber auch fehlende Parkplätze oder PC und Playstation. Jährlich kam der Spreepark nur noch auf rund 450 000 Besucher. Viel zu wenig- 2001 meldeten die Betreiber Insolvenz an und setzten sich kurz danach in einer Nacht- und Nebelaktion nach Peru ab.



Seither wurden immer wieder Gerüchte laut. Verschiedenste Investoren aus aller Welt möchten den Park wiederbeleben, umbauen, verkleinern, vergrößern, umstrukturieren- aber keiner der Pläne hatte wirklich Hand und Fuß. Und wie das immer so ist, nach kurzer Zeit verblasst die Erinnerung und somit auch das Interesse der Menschen und Medien und es wurde still um den Spreepark. Bis zum Januar 2007, als eine Gruppe von niedersächsischen Permakulturstudenten ein riesiges Öko-Paradies entstehen lassen wollte. Aber bei einem Schuldenberg von 15 Millionen Euro, der auf dem Gelände liegt, kamen die Studenten mit ihren 80.000 Euro Startkapital nicht weit, und so kehrte wieder Ruhe ein im Plänterwald.



Wenn man heute über den gepflasterten Weg zum Eingang spaziert, hat die Szenerie schon etwas geisterhaftes: kaputte DDR Laternen, zertrümmerte Mülleimer, verlassene Kassenhäuschen. Bei einem Blick über den Zaun lässt sich die farbenfrohe Vergangenheit nurnoch erahnen, auch hier abblätternde Farben, wuchernde Sträucher und umgekippte Riesendinos soweit das Auge reicht. Besonders bei bewölktem Himmel und in der Dämmerung wirkt dieser verlassene Ort, der früher so voller Leben war, wie eine Geisterstadt. Wiederum hat es etwas Beruhigendes zu sehen, dass alles so belassen wurde und kein zweihundertstes Shoppingcenter oder andere wahnsinnig sinnvolle Dinge wie Parkplätze entstanden sind. Grade wir Berliner, die den stetigen Wandel der Stadt gewöhnt sind,  dürften ein wenig Stillstand durchaus begrüßen.



Was uns jetzt noch bleibt? Schöne Kindheitserinnerungen, interessante Fotos und der wehmütige Blick über die Baumwipfel zum Riesenrad.


 

Fotos

Kommentare

Gast (nicht überprüft) - 30.09.2010 - 13:59
Die Bilder sind echt gut. Und auch sonst, guter Artikel. Mal sehen was da noch so passiert im Plänterwald. PeterS http://www.mietwohnungenberlin.org
mariah.who
mariah.who - 22.06.2010 - 11:52
super idee, ich sammel das geld ein und du machst die tür ;)
carlotta
carlotta - 19.06.2010 - 00:13
I like it! I think I'm going to visit!
Gast (nicht überprüft) - 16.06.2010 - 10:09
Hat seinen Reiz, dieser Ort. Einfach den Park, so wie er ist, öffnen, 5 Euro Eintritt kassieren und die Menschen durch die "versunkene Stadt" streifen lassen.

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